Technologie
Was ist Gebäudeautomation? Pflicht, Nutzen, Nachrüsten
Gebäudeautomation steuert und überwacht die Gebäudetechnik automatisch. Was sie leistet, wann sie in Deutschland Pflicht ist und wie Sie nachrüsten.
Was ist Gebäudeautomation? Gebäudeautomation steuert, regelt und überwacht die Technik eines Gebäudes automatisch, zum Beispiel Heizung, Lüftung, Kühlung und Beleuchtung. In Deutschland ist sie nach § 56 GModG Pflicht für Nichtwohngebäude, deren Anlagen mehr als 70 kW leisten. Die Frist ist der 31. Dezember 2029, außer die Ausrüstung ist technisch unmöglich oder wirtschaftlich unzumutbar.
Was ist Gebäudeautomation genau?
Was ist Gebäudeautomation im Alltag? Ein Beispiel: In einem Besprechungsraum sitzen viele Personen, der CO2-Wert steigt. Die Automation erhöht den Luftstrom, bis der Wert wieder sinkt. Nach dem Termin fährt sie die Lüftung zurück. Ohne Automation müsste das jemand von Hand tun, oder die Anlage läuft den ganzen Tag gleich.
Die dena nennt als gesteuerte Anlagen unter anderem Lüftungsanlagen, die Raumkühlung und die Beleuchtung. Dazu kommt die Mess-, Steuer- und Regeltechnik. Die Gebäudeautomation misst Werte wie Temperatur oder CO2, vergleicht sie mit Sollwerten und stellt die Anlagen danach ein.
Was ist Gebäudeautomation im Sinne des Gesetzes? § 56 GModG trägt die Überschrift Gebäudeautomatisierung und Gebäudesteuerung und beschreibt sie über die Funktionen eines solchen Systems.
Das Gesetz sagt in § 56 Absatz 2, was ein solches System können muss. Es soll den Energieverbrauch laufend erfassen, protokollieren und auswerten und anpassen können. Es soll Zielwerte für die Energieeffizienz setzen, Effizienzverluste erkennen und den Betreiber informieren. Es soll die Raumklimaqualität überwachen. Dazu kommt eine gängige, frei konfigurierbare Schnittstelle für die Daten.
Welche Effizienzklassen gibt es?
Die Norm für Gebäudeautomation ist DIN EN ISO 52120-1. Laut DIN Media erschien die Ausgabe vom Februar 2025 und ersetzt DIN EN 15232-1:2017-12. Sie enthält eine Liste von Funktionen, ein Verfahren für Mindestanforderungen und Methoden, um die Wirkung auf die Energieeffizienz zu bewerten. Ein Abschnitt der Norm behandelt BAC-Effizienzklassen, also die Klassen für Gebäudeautomation.
Die dena beschreibt vier Klassen, wie das Gebäudeenergiegesetz sie auf Grundlage von DIN EN 15232-1 nutzt:
- Klasse A: hocheffizientes System mit technischem Gebäudemanagement,
- Klasse B: erweitertes System mit einigen besonderen Funktionen,
- Klasse C: Standardsystem,
- Klasse D: nicht energieeffizientes System.
Für Neubauten nennt § 56 Absatz 3 GModG einen Automationsgrad nach DIN/TS 18599-11:2025-10: Grad B bei Anlagen über 290 kW und Grad C bei Anlagen über 70 kW. Wie die Grade und die Klassen der Norm zusammenhängen, haben wir nicht geprüft.
Wann ist Gebäudeautomation Pflicht?
Das hängt vom Land und von der Leistung der Anlagen in kW ab. Die Fläche des Gebäudes entscheidet nicht.
- Deutschland: Seit dem 29. Juli 2026 gilt § 56 GModG. Nichtwohngebäude mit Heizung, Lüftung oder Klimaanlage über 70 kW müssen bis zum 31. Dezember 2029 ausgerüstet sein. Bis dahin galt § 71a GEG mit 290 kW und der Frist 31. Dezember 2024. Alle Einzelheiten stehen im Beitrag zur [Ablösung von § 71a GEG](/de/blog/geg-71a/).
- Österreich: Das Baurecht liegt bei den Ländern. In Tirol gilt nach den Technischen Bauvorschriften 2026 die Pflicht für Nichtwohngebäude über 290 kW und ab dem 31. Dezember 2029 schon ab 70 kW, soweit technisch und wirtschaftlich realisierbar. Andere Länder haben wir nicht geprüft.
- EU: Die Gebäuderichtlinie nennt 290 kW und 70 kW. Sie wirkt über das Recht der Mitgliedstaaten, siehe den Beitrag zur [EPBD-Richtlinie](/de/blog/epbd-richtlinie/).
Eine erste Einordnung Ihrer Anlagen gibt der kW-Check für die Gebäudeautomation-Pflicht.
Was bringt Gebäudeautomation?
Sie senkt den Energieverbrauch, weil Anlagen nur laufen, wenn und wie sie gebraucht werden. Der Industrieverband ZVEI nennt in einer Seite von 2013 unter Verweis auf DIN EN 15232 Einsparungen bei der Heizenergie von bis zu 30 Prozent für Büros. Das sind Obergrenzen für die Heizenergie, ohne Garantie, und der Verband hat ein Interesse an dem Thema. Prüfen Sie jede Zahl für Ihr Gebäude.
Hinzu kommen Daten. Wer Verbrauch und Raumklima laufend sieht, erkennt Fehler früher. Das Gesetz verlangt genau das: Effizienzverluste erkennen und den Betreiber informieren.
Wie rüsten Sie Gebäudeautomation nach?
Nachrüsten geht oft ohne großen baulichen Aufwand. Das schreibt die dena in ihrem Factsheet vom August 2023. Dort stehen auch Hinweise auf Förderprogramme. Prüfen Sie den aktuellen Stand, bevor Sie planen.
- Anlagen erfassen Notieren Sie die Nennleistung jeder Heizungs-, Lüftungs- und Klimaanlage in kW sowie ihr Baujahr.
- Vorhandenes prüfen Klären Sie, welche Regelung schon vorhanden ist und welche Funktionen aus § 56 Absatz 2 sie bereits erfüllt.
- Lücken benennen Schreiben Sie auf, was fehlt, etwa Verbrauchserfassung, Raumklima-Messung oder die Regelung einzelner Räume.
- Lösung wählen Prüfen Sie, ob sich die Lücken mit Nachrüstung schließen lassen oder ob einzelne Anlagen ersetzt werden müssen.
- Inbetriebnahme dokumentieren Halten Sie Einstellungen und Prüfergebnisse fest. Das hilft beim Nachweis gegenüber Behörden.
Was kostet Gebäudeautomation?
Eine belegte Preisangabe liegt uns nicht vor. Die Kosten hängen vom Gebäude ab. Treiber sind die Zahl der Räume und Anlagen, das Alter der vorhandenen Technik und die Zahl der benötigten Sensoren. Auch die Anbindung an vorhandene Regler und die Inbetriebnahme zählen. Holen Sie Angebote ein, die auf Ihre Anlagenliste Bezug nehmen.
Nomestic misst das Raumklima raumweise und regelt die Lüftung vollautomatisch, mit oder ohne GLT und ohne Austausch der Lüftungstechnik. So kann es bei den Anforderungen an die Raumklimaqualität helfen. Mehr zur ClimateIQ-Plattform. Dieser Beitrag ist keine Rechtsberatung.


